Arbeiten

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Klanginstallation

Wommelsdorf und Schulz zum Quadrat

In der raumfüllenden Klanginstallation von Ingo Schulz und Heiko Wommelsdorf in der Städtischen Galerie Kubus in Hannover werden die Horizontale und die Vertikale des Raumes unterschiedlich bearbeitet.

Während die Wände der Galerie durch quadratische Akustikdämmplatten visuell eine horizontale Linie bilden, wird auditiv die Vertikale fokussiert.

Mit hilfe von sechs quadratischen Lautsprechern, die in den Tageslichtspots der Decke montiert sind, wird unterschiedliches Rauschen in den Raum gelenkt. Mit der Bewegung des Rezipienten durch den Raum werden die Rauscharten Weiß, Rosa, Rot, Blau, Violett und Schwarz erfahrbar. Je nach Standort nimmt man das Rauschen von der Decke bzw. reflektiert über den Untergrund wahr.

Aufgrund des selbstbestimmten Durchlaufens des Kubus wird eine Komposition hörbar, deren Anfang und Ende, Bewegung/Richtung, Komplexität oder Minimalismus je nach Position variieren.


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Über Dauer, Flüchtigkeit und Zerfall

Das Objekt BIG BANG bringt verschiedene Aspekte von Zeitlichkeit zusammen: Dauer, Flüchtigkeit und Zerfall.
Der tonnenschwere, schwedische Diabas hat seine Entstehung vor über 200 Millionen Jahren und steht für Stabilität und Dauer. Aus Sicht des Bildhauers ein widerständiges Material, das mit entsprechendem Kraftaufwand aber durchaus formbar ist. In diesem Fall entlockt der Künstler Ingo Schulz ihm keine Figur, sondern seinen eigenen Klang, eine höchst flüchtige, zeitbasierte Äußerung. Ausgelöst durch einen kleinen Hammer, der den Stein anschlägt. Der Impuls dafür speist sich aus dem „Ohr“ des Künstlers, das als Abformung aus Ton mit einem Geigerzähler verbunden ist. Dieser misst die natürliche Umwelt-Radioaktivität.
Jedes radioaktive Zerfallsmoment der näheren Umgebung, das dem Künstler zum „Ohr“ kommt, löst einen Impuls aus, der den schweren Stein zum Klingen bringt – für kurze Zeit, bis die Schallwelle in sich zusammenfällt.


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Klanginstallation Gartenpavillon Kunstfestspiele Herrenhausen
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Installation, Klangstätten Stadtklänge Braunschweig 2017

Die ehemalige Heerstraße nach Celle ist die nördliche Grenze des Parcours klangstaetten | stadtklaenge 2017. Um vom idyllischen Kreuzfriedhof zu den Pfarrkirchen der in den Focus genommen Friedhöfe oder in die Innenstadt zu kommen, ist es notwendig Okerumflut an diese „Schallbarriere“ zu queren. Die Okerbrücke an dieser Stelle wird dominiert von einem kaum abreißenden Verkehrsstrom und seiner Geräuschkulisse.

Ingo Schulz, Freier Künstler und Leiter des Labor für Klangkunst an der HBK-Braunschweig, macht mit seiner Intervention darauf aufmerksam: Seine Arbeit konzentriert sich ausschließlich auf die Visualisierung des idealen physikalischen Verhaltens von Klang und seiner wellenförmigen Ausdehnung. Als stille Arbeit korrespondiert sie mit der Arbeit an der Ferdinandbrücke, dem südlichen Okerübergang des Parcours (Zwischenort b).

Auf der hier meist glatten Wasseroberfläche wird sich ein etwa 50 Meter langes und über die gesamte Breite der Oker verlaufendes Feld von Wellenringen ausbreiten. Sie entstehen mehr oder weniger zufällig durch Einbringen von Luftblasen. Ringwellen breiten sich aus, irritieren und beeinflussen sich gegenseitig und verschmelzen zu immer anderen Mustern. Der Straßenlärm bekommt eine neue Qualität durch das Hören des stillen Blubbern.