Exhibitions

on show
feinkunst e.V., Roscherstr. 5, Hannover
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Das erste gemeinschaftliche Ausstellungsprojekt in den Räumen von „feinkunst“ widmet sich der hannoverschen Künstlerin Constanze Böhm (*1977), die an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig in der Klasse von Olav Christopher Jenssen ihr Studium der Freien Kunst absolvierte. Die Ausstellung versammelt zeichnerische und malerische Arbeiten Böhms auf Papier und Leinwand, sowie eine Reihe fragiler Keramikplastiken, die in eine eigens für die Räume der Galerie konstruierte Installation eingebunden sind.

Böhms halb abstrakt, halb gegenständliche Malereien nehmen ihren Ausgangspunkt in den kleinformatigen, geradezu intimen Papierarbeiten, die bevölkert sind von allerlei rätselhaften Formgebilden und Gestalten. Hier begegnet dem/der Betrachter*in ein strenges Profilporträt, dort ist es eine überdimensionierte blaue Nase, die von grüner Vegetation umrahmt wird. Die Künstlerin interessiert sich für das Dazwischen, den Bereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Linie und Form, zwischen Fläche und Plastizität. In der Serie „Das emblematische Ensemble“ (2018) schafft Böhm ein Reservoir malerischer und grafischer Formen, welches zum Ausgangspunkt wird für mittel- und großformatige Arbeiten auf Leinwand, aber auch für skulpturales und raumbezogenes Arbeiten, wie es in der Ausstellung zu sehen ist.

Die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum und seiner Funktion als Rahmen für die Präsentation von Kunst spielt bei Böhms installativen Werken ebenso eine Rolle wie die Frage nach Übersetzung malerischer Formen in räumliche Arrangements. In den Räumen von „feinkunst“ schafft Böhm ein separates Kabinett mit angeschrägten Wänden; es entsteht so eine surreal anmutende Raumsituation. Sie bietet den „Protagonisten“, drei fragilen Keramikplastiken, die passende Bühne, denn auch diese scheinen direkt den spielerisch-leichten Papierarbeiten entflüchtet zu sein.

Katrin Kolk (Sprengel Museum)


Konnektor- Forum für Künste, Kötnerholzweg 11, Hannover
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Constanze Böhm arbeitet vorwiegend mit Mitteln der Malerei und Zeichnung, die sie installativ auf den Raum ausweitet. Die abstrakten Formen ihrer Bilder begegnen uns in unterschiedlichen Formaten und tragen Titel wie „Mitarbeiter des Monats“, „the almost circles“ oder „the proper polygons“.

Auf poetische Weise gehen ihre Arbeiten den Materialien und Formen auf den Grund. Die Beschaffenheit der Temperafarbe, deren Konsistenz sich schon im Vorgang des konzentrierten Malens verändert, wird spürbar. Das besondere Wesen der Linie, die nie ganz ebenmäßig sein kann, kommt gerade im Moment des Unperfekten, Unebenen und nur vermeintlich Unzulänglichen zum Ausdruck. Im Vorgang des Malens kümmert Böhm sich intensiv um die Linien, die niemals frei von Zufall und Einschreibungen sind. Indem sie die Begegnung mit dem Material und dessen Eigenschaften auf diese Weise ernst nimmt, werden die Malereien für die Künstlerin im Moment des Malens zum Gegenüber. Im Ausstellungsraum wiederum begegnen die Betrachter_innen den Protagonisten in Constanze Böhms Bildern und treten mit der Körperlichkeit der Arbeiten in Resonanz.

Dabei fügen die Titel eine weitere, metaphorische Ebene hinzu: Die blassen Farbunterschiede des „pale painting: waiting for more to see“, das großformatig im vorderen Teil der Ausstellung hängt, zeigt auch in seiner Betitelung, dass es sich hier um ein Gegenüber handelt. Es zeigt sich uns mit einer Präsenz, die eigene, innere Bilder und Zustände wahrnehmen lässt.

Letzteres gilt in besonderer Weise für die begehbare Installation „honeymoon room“, die einen Großteil des Ausstellungsraums einnimmt. Die farblich mit den Bildern korrespondierende Rauminstallation schafft sowohl in ihrem Inneren, als auch von außen betrachtet, wirkungsvolle Atmosphären. Im Außenraum begegnet die rohe Materialität und Farbigkeit des Holzes den Arbeiten an der Wand und die schiefen Wände der Installation lassen uns mal näher, mal in größerem Abstand an die Bilder herantreten. Blasse Pastellfarben und das Nicht-Vorhandensein von rechten Winkeln bestimmen das Innere des Raums, das essenziell mit der Wahrnehmung spielt.

Es geht letztendlich darum, die ganze Ausstellung zu einer Kontaktzone werden zu lassen, in der Begegnungen möglich werden. Installation, Bild, Titel sowie eigene Erfahrung und Stimmung treffen aufeinander, treten in Interaktion und lassen schließlich etwas entstehen, das sich Vorhersagbarkeiten entzieht.

Nora Brünger (Kunstverein Hildesheim)