Konnektor- Forum für Künste, Kötnerholzweg 11, Hannover

Poetik im Ellenbogen

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Constanze Böhm arbeitet vorwiegend mit Mitteln der Malerei und Zeichnung, die sie installativ auf den Raum ausweitet. Die abstrakten Formen ihrer Bilder begegnen uns in unterschiedlichen Formaten und tragen Titel wie „Mitarbeiter des Monats“, „the almost circles“ oder „the proper polygons“.

Auf poetische Weise gehen ihre Arbeiten den Materialien und Formen auf den Grund. Die Beschaffenheit der Temperafarbe, deren Konsistenz sich schon im Vorgang des konzentrierten Malens verändert, wird spürbar. Das besondere Wesen der Linie, die nie ganz ebenmäßig sein kann, kommt gerade im Moment des Unperfekten, Unebenen und nur vermeintlich Unzulänglichen zum Ausdruck. Im Vorgang des Malens kümmert Böhm sich intensiv um die Linien, die niemals frei von Zufall und Einschreibungen sind. Indem sie die Begegnung mit dem Material und dessen Eigenschaften auf diese Weise ernst nimmt, werden die Malereien für die Künstlerin im Moment des Malens zum Gegenüber. Im Ausstellungsraum wiederum begegnen die Betrachter_innen den Protagonisten in Constanze Böhms Bildern und treten mit der Körperlichkeit der Arbeiten in Resonanz.

Dabei fügen die Titel eine weitere, metaphorische Ebene hinzu: Die blassen Farbunterschiede des „pale painting: waiting for more to see“, das großformatig im vorderen Teil der Ausstellung hängt, zeigt auch in seiner Betitelung, dass es sich hier um ein Gegenüber handelt. Es zeigt sich uns mit einer Präsenz, die eigene, innere Bilder und Zustände wahrnehmen lässt.

Letzteres gilt in besonderer Weise für die begehbare Installation „honeymoon room“, die einen Großteil des Ausstellungsraums einnimmt. Die farblich mit den Bildern korrespondierende Rauminstallation schafft sowohl in ihrem Inneren, als auch von außen betrachtet, wirkungsvolle Atmosphären. Im Außenraum begegnet die rohe Materialität und Farbigkeit des Holzes den Arbeiten an der Wand und die schiefen Wände der Installation lassen uns mal näher, mal in größerem Abstand an die Bilder herantreten. Blasse Pastellfarben und das Nicht-Vorhandensein von rechten Winkeln bestimmen das Innere des Raums, das essenziell mit der Wahrnehmung spielt.

Es geht letztendlich darum, die ganze Ausstellung zu einer Kontaktzone werden zu lassen, in der Begegnungen möglich werden. Installation, Bild, Titel sowie eigene Erfahrung und Stimmung treffen aufeinander, treten in Interaktion und lassen schließlich etwas entstehen, das sich Vorhersagbarkeiten entzieht.

Nora Brünger (Kunstverein Hildesheim)