Texte: 2017

Press Release 'The V-Machine'

von Roberto Ohrt
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Offene Farbigkeit und striktes Schwarz-Weiß, ungeregelte Variation und serielles Raster — der Kontrast, den Kolja Gollub mit den Bildern seiner Ausstellung in Den Haag aufmacht, ist gewollt; er soll Vereinfachungen durchkreuzen, die auf dem Gebiet der Kunst immer noch beliebt sind: Malerei oder Konzept, Rationalität oder Experiment, Intuition oder Kalkül, Skizze oder Präzision. Gegensatzkonstruktionen dieser Art gehören zum alten Bauwerk der Künstlerlegenden. Wir könnten zu Vincent  van Gogh und Paul Cézanne zurückgehen, die Frage bei Jackson Pollock und Asger Jorn neu justieren oder mit Günther Förg und André Butzer in die Gegenwart kommen — das Verständnis dieser Künstler wird nicht nur vom großen Publikum auf ein einfaches Entweder-Oder heruntergebracht. Billige Klischees bemüht sogar die anspruchvollere Theorie.

Kolja Gollub hat die Polaritäten oder Unverträglichkeiten bewusst verschärft. Vielleicht ist das systematische Vorgehen von Günther Förg in seinen Bildern eher zu erkennen als die Disziplin, mit der Vincent van Gogh Farben und Leinwand zusammenbrachte, aber wir sollten die Hinweise auf beide Künstler im Blick behalten. Die Sichtbarkeit des intellektuellen Beitrags ist für Kolja Gollub genauso wichtig wie das Spiel mit Faktoren, die sich diesem Bereich zunächst entziehen: Chaotik, der rohe Stoff , Fleischfarben und Helligkeit — Effekte, die zumeist mit der freien Geste oder Expression assoziiert werden. Allerdings läßt die Reihung seiner Bilder deutlich erkennen, dass es um die Möglichkeit geht, all diese Wirkungen zum Gegenstand einer Untersuchung zu machen, die nicht bei den Selbstverständlichkeiten der Vergangenheit Halt macht. Die Bilder von Kolja Gollub sprechen also für den Entwurf einer malerischen Wissenschaft, um einen alten Begriff etwas abzuwandeln, oder den Entwurf einer Kunst, die einen präzisen Gedanken nicht um das reduziert, was ihn möglicherweise verwirrt.