Projekte

Berger Kirche Berger Straße 18 B
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Fotos c: Ralf Puder, projektorat.net

Eine Produktion von Theaterkollektiv Pièrre.Vers.
Text: Theaterkollektiv Pièrre.Vers:

IM PROCESS

Ein performativer Akt zu Majdanek III


26. November 1976. Im Land- und Amtsgericht der Stadt Düsseldorf beginnt der Majdanek-Prozess, Aktennummer 8 Ks 1/75 – einer der längsten und aufwändigsten Gerichtsprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach 30 Jahren werden ehemalige SS-Wächter und KZ-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek in Polen für ihre Taten angeklagt. Mit im Gerichtssaal befinden sich auch Schulklassen. Sie sollen Geschichtsaufarbeitung aus erster Hand erleben. Doch schnell stellen sich Gerrit Niehaus und seinen Klassenkamerad*innen einige Fragen: Wie ist das Verhalten der am Prozess Beteiligten zu bewerten? Wie weit ist die Aufarbeitung der deutschen Geschichte wirklich? Und welches Licht wirft das auf ihre Zukunft, also unsere Gegenwart?

Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers setzt die erfolgreiche Arbeit an historischen und in der Stadt Düsseldorf verankerten Stoffen fort. Nach Schwarz-helle Nacht und Aktion: Aktion! taucht das Team um Regisseur Christof Seeger-Zurmühlen und Autorin Juliane Hendes tief in das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte ein. Eindrückliche Zeug*innenaussagen stehen dem juristischen Aufarbeitungsanspruch gegenüber. Menschen, die nicht vergessen können, treffen auf jene, die sich nicht erinnern wollen. Auf der Basis wahrer Begebenheiten entwickelt sich nach und nach ein Schlaglichtgewitter aus Meinungen und Haltungen, die bis weit in die Gegenwart reichen. Sie verleihen dem heutigen Ringen um die Deutungshoheit über die Geschichte eine jahrzehnteweit reichende Dimension.


Spielort

Berger Kirche
Berger Str. 18b
40213 Düsseldorf



Mit: Anna Magdalena Beetz, Julia Dillmann, Paul Jumin Hoffmann, Gosia Konieczna, Krzysztof Leszczynski, Jonathan Schimmer, Alexander Steindorf,
Pablo Vuletić
Regie, Konzept: Christof Seeger-Zurmühlen
Text, Dramaturgie: Juliane Hendes
Raum, Kostüm: Simone Grieshaber
Komposition: Bojan Vuletić
Illustration: Idan Barzilay
Sounddesign: Philipp Kaminsky
Video: Philippe Waldecker
Produktionsmitarbeit: Nastasia Radtke


Eine Produktion von Theaterkollektiv Pièrre.Vers in Koproduktion mit dem asphalt Festival und dem düsseldorf festival 2021, gefördert vom Fonds Darstellende Künste, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, dem Kulturamt Düsseldorf, der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und der Bürgerstiftung Düsseldorf und der Stiftung van Meeteren, in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e. V.,dem Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf

Junges Schauspiel Münsterstraße 446
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Das Gewicht der Ameisen — von David Paquet 

Kanadisch-deutsche Koproduktion von Theater der Welt Düsseldorf und Jungem Schauspiel

Deutschsprachige Erstaufführung am 6.9.2020 — Münsterstraße 446 in Düsseldorf

Text: D´Haus:
Die Schule von Jeanne und Olivier hat es in die Top Ten der schlechtesten Bildungseinrichtungen des Landes geschafft, und dafür gibt es Gründe: einen scheinbar desinteressierten Direktor und ein Klima, das von der neu angeschafften sprechenden Shampoowerbung auf den Toiletten geprägt ist. Während Jeanne sich maßlos über die von der Werbung suggerierten Schönheitsideale ärgert, plagen Olivier durch die Klimakrise ausgelöste Ängste vor dem Weltuntergang. Im Rahmen der »Woche der Zukunft« werden nun ausgerechnet die beiden vom Direktor für die Schülersprecher*innen-Wahl aufgestellt. Zunächst erschrocken, erkennen sie, dass man die Welt nur verändern kann, wenn man Verantwortung trägt. Bis Mike auftaucht, mit einem einzigen Wahlversprechen: Pizza für alle! Jeanne und Olivier geraten in einen Strudel aus enthusiastischen Reden, Katzenvideos, korrupten Politiker*innen und der Erkenntnis, dass man die eigene Botschaft niemandem aufzwingen kann. Schließlich müssen sich Jeanne und Olivier fragen: Ist es legitim, illegale Mittel einzusetzen, um die eigenen – eigentlich ehrenhaften – Ziele zu verfolgen? Mit »Das Gewicht der Ameisen« hat der kanadische Autor David Paquet eine furiose Komödie mit wunderbar skurrilen Figuren geschrieben. In filmisch gehaltenen Szenen erzählt er vom Leben in einer von digitaler Reizüberflutung geprägten Welt. Christof Seeger-Zurmühlen setzt das Stück des Erfolgsautors mit einem Team aus Kanada und Deutschland in Szene. —

Das Projekt wird unterstützt durch das Canada Council for the Arts und die Regierung von Kanada mit zusätzlicher Unterstützung der Regierung von Québec.

Besetzung
Olivier / Stimmen aus dem Off:  Ali Aykar
Emilio der Naturwissenschaftslehrer / Der Inhaber der Buchhandlung / Die Shampoowerbung / Oliviers Mutter / Die Bürgermeisterin / Gabielle / Joé / Der Hausmeister / Stimmen aus dem Off: Selin Dörtkardeş
Die Busfahrerin / Nort / Der Therapeut / Raoul / Bertha aus der Mensa / Mimi-Rose, die Mathelehrerin / Mike / Stimmen aus dem Off: Jonathan Gyles
Jeanne / Stimmen aus dem Off: Noëmi Krausz
Der Direktor / Die betrunkene Buchhändlerin / Die Kassiererin im Supermarkt / Stimmen aus dem Off: Eduard Lind

Regie: Christof Seeger-Zurmühlen
Musik: Lisa Conway
Bühne und Kostüm: Simone Grieshaber, Helen Yung
Übersetzung: Frank Weigand
Dramaturgie: Juliane Hendes
Theaterpädagogik: Thiemo Hackel
Ausstattungsassistenz: Saskia Holte, Alyssa Töller


Jürgensplatz Düsseldorf
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Eine performative Erinnerung auf dem Jürgensplatz


Fotos c:
projektorat.net
dasbuero.net

simone grieshaber


Düsseldorf im Frühjahr 1945. Der Krieg ist fast verloren, die Alliierten stehen vor den Toren der Stadt, bereit, diese ›sturmreif‹ zu bombardieren. Die Bevölkerung hat sich mehrfach den Räumungsbefehlen der Nazis widersetzt. Hitler verhängt schließlich mit dem ›Nero-Befehl‹ – Kampf bis zum letzten Mann – das Todesurteil über Düsseldorf. Das ist der Moment, in dem ein Dutzend Männer um den Rechtsanwalt Dr. Karl August Wiedenhofen und den Architekten Aloys Odenthal vom geistigen zum aktiven Widerstand übergehen und mit der ›Aktion Rheinland‹ die Geschichte der Stadt entscheidend beeinflussen. Am 16. April 1945 geloben sie auf Leben und Tod, die Stadt vor der endgültigen Vernichtung zu schützen. Mit Hilfe des Polizeioberstleutnants Franz Jürgens besetzen sie wenig später das Polizeipräsidium, lassen sich Vollmachten für die Alliierten ausstellen und machen sich auf den Weg zu den Amerikanern, um mit ihnen über die kampflose Übergabe der Stadt zu verhandeln. Ein Kamikaze-Unternehmen mitten in den letzten Tagen eines grausamen Krieges.

Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers beschäftigt sich erneut mit Düsseldorf in der Zeit des Nationalsozialismus. Aktion:Aktion! zeichnet anhand von Zeitzeugenaussagen die Ereignisse vom 16. und 17. April 1945 nach. Am historischen Schauplatz trifft die Vergangenheit auf die Gegenwart: Die Performance findet auf dem Hof des Polizeipräsidiums unter freiem Himmel statt, das Publikum wird mittels eines Kopfhörersystems mit den Akteur*innen verbunden. Aktion:Aktion! stellt Fragen, die bis heute aktuell sind: Ist jemand ein Held, wenn er sich am Ende einer erfolgreichen Karriere in einem Unrechtsregime gegen ebenjenes stellt – oder bleibt er Täter? Ist die Motivation für den Widerstand höher zu bewerten als die Tat selbst?Welchen Unterschied kann ein einzelner Mensch im Zusammenhang des großen Ganzen machen, damals und heute? Was ist das Erbe der Stadt Düsseldorf und wie beeinflusst es die Gegenwart?


Mit Anna Magdalena Beetz, Julia Dillmann, Jonathan Schimmer, Alexander Steindorf
Christof Seeger-Zurmühlen – Regie
Juliane Hendes – Textfassung
Simone Grieshaber – Ausstattung
Bojan Vuletić – Musikalische Leitung und Komposition
Chriss Gross – Komposition und Livemusik


Eine Produktion von Theaterkollektiv Pièrre.Vers in Koproduktion mit dem asphalt Festival und dem düsseldorf festival, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, dem Kulturamt Düsseldorf, der Bürgerstiftung Düsseldorf, der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf, in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Mit freundlicher Unterstützung des Polizeipräsidiums Düsseldorf


Kreuzstraße 19a, 40210 Düsseldorf
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Fotos c:
projektorat.net
dasbuero.net

https://projektorat.net/asphalt-festival/2019/schwarz-helle-nacht/
https://www.theaterkollektiv.de/projekt/schwarz-helle-nacht/


Eine Produktion des Theaterkollektiv Pièrre.Vers

– Eine performative Zeitreise


Eine Nacht, die alles veränderte

Am 9. und 10. November 1938 fanden in Düsseldorf etwa 460 Überfälle auf jüdische Bürger*innen statt. Diese landesweit geplanten Aktionen gingen als Novemberpogrome in die Geschichte ein. Geschäfte und privates Eigentum wurden zerstört, Gebetshäuser vernichtet. Zeit- und Augenzeug*innen berichteten vom Eindringen in die intimsten Räume, von gewalttätigen Übergriffen und Todesfällen.

Das neue Stück des Theaterkollektivs Pièrre.Vers basiert auf dem Archivgut der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, das die deutschlandweit umfangreichste Dokumentation aus Berichten von Zeitzeug*innen zum Novemberpogrom erstellt hat. Fünf Performer*innen geben in Schwarz-helle Nacht den damaligen jüdischen Bewohner*innen der Stadt eine Stimme und führen das Publikum durch das Düsseldorf der Gegenwart zu Originalschauplätzen. Dabei tauchen lebendige Bilder und Szenen aus der Pogromnacht auf, durch tableaux vivants und Audioinstallationen im Stadtbild entstehen Assoziationen zur Situation und Bedrohung von 1938. In Wohnungen, auf der Straße, in Cafés schildern die Darsteller*innen die Erlebnisse jüdischer Menschen aus dieser Nacht und treffen auf heutige Bewohner*innen, die sich zu aktuellen Fragen nach Sicherheit, Identität und Zugehörigkeit äußern.

Die performative Tour durch die Stadt macht die Komplexität der Ereignisse rund um die Nacht des 9. Novembers 1938 in Düsseldorf sichtbar, hörbar und  erfahrbar – und zwar ganz konkret, unmittelbar und mit großer Kraft.

Eine Inszenierung, die lange nachwirkt.“   Rheinische Post

mit:
Anna Beetz
Julia Dillmann
Nora Pfahl
Alexander Steindorf
sowie Düsseldorfer Stadtbewohner*innen

Konzept und Regie: Christof Seeger-Zurmühlen
Ausstattung: Simone Grieshaber
Musik: Bojan Vuletic´
Stückentwicklung: Juliane Hendes und Theaterkollektiv Pièrre.Vers

Eine Produktion von Theaterkollektiv Pièrre.Vers in Koproduktion mit dem asphalt Festival und dem düsseldorf festival, gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, dem Kulturamt Düsseldorf, der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf, in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Rheinbahn AG, mit freundlicher Unterstützung von Hotel Max Brown Midtown.
Düsseldorfer Schauspielhaus Worringer Straße 140
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Fotos: Sandra Then

Eine Produktion des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Premiere: 19.01.2019

Regie: David Schnaegelberger
Dramaturgie: Corinna Möller
Bühne: Simone Grieshaber
Kostüme: Janin Lang
Musik: Wolfgang Paris
Licht: Christian Schmidt

Besetzung mit:
Galy Gay ein irischer Packer / Jeraiah Jip: Niklas Miteregger
Galy Gays Frau / Herr Wang, Bonze: Laura Maria Trapp
Jesse Mahoney: Kilian Bierwirth
Polly Baker: Naima Laube
Uria Shelley: Vincent Sauer
Witwe Begbick, Kantinenbesitzerin: Genet Zegay
Charles Fairchild, Sergeant: Rudi Grieser


Galy Gay ist ein einfacher Packer und ein Mann, der nicht Nein sagen kann. Das begreifen die Menschen, die ihm begegnen, schnell – vor allem solche, die andere gern für ihre Zwecke einspannen. In »Mann ist Mann« sind das drei Soldaten, die ihren vierten Mann beim Plündern einer Pagode zurücklassen mussten und nun in Not und auf der Suche nach Ersatz sind. Der Appell steht bevor, und wenn sie auffliegen, droht Erschießung. Galy Gay kommt da wie gerufen, um aus ihm den verschwundenen Jeraiah Jip zu machen. Im grausamen Spiel der Soldaten wird ein Mann, der auszog, einen Fisch zu kaufen, »wie ein Auto ummontiert« und in eine menschliche Kampfmaschine verwandelt. Mit der »Verwandlung des Packers Galy Gay in den Militärbaracken von Kilkoa im Jahre neunzehnhundertfünfundzwanzig«, wie Bertolt Brechts erklärtermaßen erstes episches Theaterstück im Untertitel heißt, thematisiert Brecht die Frage nach Identität und individueller Selbstbestimmung in einer entfremdeten Gesellschaft.


Pressestimmen:
Rheinische Post 21.1.2019:
Der junge Regisseur hat sich Brechts erstes episches Stück von 1925 ausgesucht und setzt es voller Tempo mit einem spielfreudigen Ensemble in Szene. Schnaegelberger hat aus Brechts [...] Parabel einen kurzweiligen Abend gemacht, ein Stück, das zum Nachdenken anregt, auch darüber, wie leicht es ist, Menschen zu manipulieren.

Getidan.de Peter Claus, 21.1.2019:
David Schnaegelberger ist in Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Corinna Möller eine verblüffend unterhaltsame Fassung gelungen, die gelegentlich gar mit boulevardeskem Humor überrascht, ohne die (Un-)Tiefen des Stückes weg zulachen. Im Gegenteil: Viele Momente sind von wirklich bitterer Komik, so dass einem als Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt. Das Beste: Fern von vordergründigen Aktualisierungen wird das Heutige der vor mehr als neunzig Jahren uraufgeführten Parabel deutlich, die Warnung vor dem Abtauchen der oder des Einzelnen in eine Masse Mensch, die meint, besser und wichtiger als andere Menschen zu sein.

Ein Plädoyer also für Individualität, für Respekt gegenüber Leuten, die anders sind als andere, egal in welcher Hinsicht. Wobei nicht negiert wird, dass Individualität nur dann ausgelebt werden kann, wenn sie genau diesen Respekt selbst aufbringt. Klug: Der Abend mündet in eine unerwartete (hier nicht aufgedeckte) Pointe, die zeigt, wie fragil das Zusammenspiel von Individualität und Gemeinwohl ist. [...] In der Hauptrolle, als Tagelöhner Galy Gay, der in die Armee gedrängt und damit zu Kanonenfutter gemacht wird, ist Niklas Mitteregger zu sehen. Virtuos balanciert er zwischen Witz und Ernst, brilliert besonders in den Momenten, da aller Spaß in bedrängende Tragik umkippt, verfügt über reiche körpersprachliche Mittel, die er nie manieriert ausstellt, wie er auch mit seinen stimmlichen Möglichkeiten größtmöglichen Effekt erzielt. Neben ihm fielen im Ensemble der Studierenden besonders Laura Maria Trapp in zwei kleinen Rollen und Genet Zegay im Part der Witwe Begbick auf. Ihr, der Schankwirtsfrau, einer braven Bürgerin, die aus jeder Situation ein Geschäft zu ihren Gunsten entwickelt, gilt ein besonderes Augenmerk der Inszenierung. Viel mehr als Galy Gay schlägt Witwe Begbick nämlich den Bogen zum Publikum. [...] Keine zwei Stunden dauernd, ohne Pause durchgespielt, entwickelt »Mann ist Mann« in Düsseldorf einen kraftvollen Sog. Die erfreulich sparsame Ausstattung (Bühne: Simone Grieshaber) lässt den
Agierenden weiträumige Spielfelder – und gibt der Phantasie des Publikums zusätzliche Anregungen. Rundum gelungen!