Projects: 2019

on show
Düsseldorfer Schauspielhaus Worringer Straße 140
Eine Produktion des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Premiere: 19.01.2019

Galy Gay ist ein einfacher Packer und ein Mann, der nicht Nein sagen kann. Das begreifen die Menschen, die ihm begegnen, schnell – vor allem solche, die andere gern für ihre Zwecke einspannen. In »Mann ist Mann« sind das drei Soldaten, die ihren vierten Mann beim Plündern einer Pagode zurücklassen mussten und nun in Not und auf der Suche nach Ersatz sind. Der Appell steht bevor, und wenn sie auffliegen, droht Erschießung. Galy Gay kommt da wie gerufen, um aus ihm den verschwundenen Jeraiah Jip zu machen. Im grausamen Spiel der Soldaten wird ein Mann, der auszog, einen Fisch zu kaufen, »wie ein Auto ummontiert« und in eine menschliche Kampfmaschine verwandelt. Mit der »Verwandlung des Packers Galy Gay in den Militärbaracken von Kilkoa im Jahre neunzehnhundertfünfundzwanzig«, wie Bertolt Brechts erklärtermaßen erstes episches Theaterstück im Untertitel heißt, thematisiert Brecht die Frage nach Identität und individueller Selbstbestimmung in einer entfremdeten Gesellschaft.

Besetzung mit:
Galy Gay ein irischer Packer / Jeraiah Jip: Niklas Miteregger
Galy Gays Frau / Herr Wang, Bonze: Laura Maria Trapp
Jesse Mahoney: Kilian Bierwirth
Polly Baker: Naima Laube
Uria Shelley: Vincent Sauer
Witwe Begbick, Kantinenbesitzerin: Genet Zegay
Charles Fairchild, Sergeant: Rudi Grieser

Regie: David Schnaegelberger
Dramaturgie: Corinna Möller
Bühne: Simone Grieshaber
Kostüme: Janin Lang
Musik: Wolfgang Paris
Licht: Christian Schmidt


Pressestimmen:
Rheinische Post 21.1.2019:
Der junge Regisseur hat sich Brechts erstes episches Stück von 1925 ausgesucht und setzt es voller Tempo mit einem spielfreudigen Ensemble in Szene. Schnaegelberger hat aus Brechts [...] Parabel einen kurzweiligen Abend gemacht, ein Stück, das zum Nachdenken anregt, auch darüber, wie leicht es ist, Menschen zu manipulieren.

Getidan.de Peter Claus, 21.1.2019:
David Schnaegelberger ist in Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Corinna Möller eine verblüffend unterhaltsame Fassung gelungen, die gelegentlich gar mit boulevardeskem Humor überrascht, ohne die (Un-)Tiefen des Stückes weg zulachen. Im Gegenteil: Viele Momente sind von wirklich bitterer Komik, so dass einem als Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt. Das Beste: Fern von vordergründigen Aktualisierungen wird das Heutige der vor mehr als neunzig Jahren uraufgeführten Parabel deutlich, die Warnung vor dem Abtauchen der oder des Einzelnen in eine Masse Mensch, die meint, besser und wichtiger als andere Menschen zu sein.

Ein Plädoyer also für Individualität, für Respekt gegenüber Leuten, die anders sind als andere, egal in welcher Hinsicht. Wobei nicht negiert wird, dass Individualität nur dann ausgelebt werden kann, wenn sie genau diesen Respekt selbst aufbringt. Klug: Der Abend mündet in eine unerwartete (hier nicht aufgedeckte) Pointe, die zeigt, wie fragil das Zusammenspiel von Individualität und Gemeinwohl ist. [...] In der Hauptrolle, als Tagelöhner Galy Gay, der in die Armee gedrängt und damit zu Kanonenfutter gemacht wird, ist Niklas Mitteregger zu sehen. Virtuos balanciert er zwischen Witz und Ernst, brilliert besonders in den Momenten, da aller Spaß in bedrängende Tragik umkippt, verfügt über reiche körpersprachliche Mittel, die er nie manieriert ausstellt, wie er auch mit seinen stimmlichen Möglichkeiten größtmöglichen Effekt erzielt. Neben ihm fielen im Ensemble der Studierenden besonders Laura Maria Trapp in zwei kleinen Rollen und Genet Zegay im Part der Witwe Begbick auf. Ihr, der Schankwirtsfrau, einer braven Bürgerin, die aus jeder Situation ein Geschäft zu ihren Gunsten entwickelt, gilt ein besonderes Augenmerk der Inszenierung. Viel mehr als Galy Gay schlägt Witwe Begbick nämlich den Bogen zum Publikum. [...] Keine zwei Stunden dauernd, ohne Pause durchgespielt, entwickelt »Mann ist Mann« in Düsseldorf einen kraftvollen Sog. Die erfreulich sparsame Ausstattung (Bühne: Simone Grieshaber) lässt den
Agierenden weiträumige Spielfelder – und gibt der Phantasie des Publikums zusätzliche Anregungen. Rundum gelungen!