Texte

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von Dr. Stephan Strsembski

Dr. Stephan Strsembski

Der Blick auf Dragutin Banics Gemälde, Objekte und Zeichnungen kommt wohltuend gut ohne vorbereitende Information durch Texte, theoretische Programme oder Strategien aus. Sein Werk hebt sich so ab von vielen strategisch ausgerichteten Kunstäußerungen vorsichtigerer Kollegen seiner Generation. 

Der Maler, Zeichner und Bildhauer entwirft eine eigene Welt aus halb figürlichen, halb abstrakten Tableaus, belebt von Hybriden natürlicher und kultureller Erscheinungen. Brettern etwa, mit deutlich gezeichneter Maserung, die zu ungelenken Möbeln kombiniert sind und als Display herhalten für archaische Dinge. Kerzen treten auf, Äpfel, der Mond oder eine ebenfalls wiederkehrende Doppelform, die als Blattwerk zu entziffern ist oder auch als Hasenohren.

Die Archaik dieser Gegenstände verführt dazu, ihnen einen allegorischen Sinn zuzuschreiben. Die Kerze als urtümliche Lichtquelle – oder doch als Symbol für Aufklärung? Der Apfel ist nicht nur Sinnbild der Verführung und des Sündenfalls, sondern wurde in der späteren Marienikonografie zum Zeichen von deren Überwindung und später zum Herrschaftssymbol. Den Hasenohren/Blättern kommt eine besondere Bedeutung zu, wenn sie mit den verwendeten Materialien des Künstlers (Hasenleim als Bindemittel, Pigmente) in Verbindung gebracht werden. Der Hase nimmt einen ganz speziellen Platz ein in der Kunstgeschichte: Dürers Aquarell-Denkmal des Feldhasen ist ein Höhepunkt frühneuzeitlicher Naturverehrung, Beuys wiederkehrende Verwendung machte ihn geradezu zum Wappentier des Künstlers, schnell, schlau, fruchtbar, aber auch ängstlich, bereit zur Flucht. Die Hasenohren treten bei Banic auch auf als Beigabe zu einer antiken Säule, monumental und trotzdem irgendwie verloren in einer zweifarbigen Landschaft aus Strichzeichen als Chiffren für Natur.

Ein typisches Kippmoment zwischen Abstraktion und Figuration findet sich etwa in der kleinen, unbetitelten Arbeit (2015), die auf braun- beigem, bewegtem Grund einen lockeren Rapport von schwarzen Tupfen zeigt, welche an die Zeichnung eines Leopardenfells erinnern, aber eine geometrische Form umfassen, die jede Mimikry Lügen straft. Oder die beiden Gemälde black lounge und blue lounge (2014), die es schaffen, in einem sehr geordneten formalen System von Rechtecken verschiedener Blau- und Grautöne durch je einen einzigen diagonalen „Ausreißer“ eine räumliche Figur in der flachen Komposition erscheinen lassen (ein Blick ins Skizzenbuch erhärtet den Verdacht, es könne sich um eine Gießkanne handeln).

Auch Banics Objekte, als Kombinationen von Gefundenem und Bearbeitetem im weitesten Sinne mit den Vitrinenstücken von Beuys oder Walter Dahn verwandt, verfolgen diese Idee, sind autonom und verweisen trotzdem auf etwas anderes. Der klassische hölzerne Schuhspanner aus Holz, seziert in einer schönen Stellage aus Holz und Glas. Eine Bohrung fungiert als Vase für ein fingergroßes Objekt aus Ton, ein Bauteil umfasst gleich einer Hand Pinocchios eine Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers – voilà, das Kölner Regal.